Während Organizer-Software die firmeneigene Koordination regelt, beruft der Abteilungsleiter, ein Meeting im Sitzsack ein. Die Fensterbank des Hauptbüros, schmückt allerlei Skurriles und statt dem klassischen, schwarzen Cafe, wird auch gerne mal eine Club Mate gereicht. Eine gelöste Atmosphäre füllt den Raum aus, bestehend aus dem dumpfen Klackern des Kickertisches und dem Stimmengemisch der verschiedenen Diskussionsrunden. Konzentration durch Chaos, ja, so könnte man es nennen.

Denn die eben geschilderten Arbeitsabläufe, sind keinesfalls eine favorisierte Vision junger Arbeitnehmer, sondern die beeindruckende Wirklichkeit, in vielen Start-Up’s. Starre Verwaltungsstrukturen und klar strukturierte Hierachien? Klingt ja alles nicht schlecht, aber geht es nicht auch anders?

Die skandinavische Entspanntheit

So oder so ähnlich, dachte es sich wahrscheinlich auch Daniel Ek, Chef des Streamingdienstes Spotify. Im gesamten Unternehmen, gibt es so gut wie keine festen Pläne. Jeder bringt sich einfach dort ein, wo er kann und hat darüber hinaus auch die freie Entscheidungsgewalt. Kann man dann eigentlich noch vom ,,Chef“ Eks sprechen? Offiziell ja, inoffiziell nein.

Neue Generation – neue Ansprüche

Für viele Berufseinsteiger, spielt die Vergütung nur eine Nebenrolle. Natürlich sollte die eigene Arbeit gut vergütet werden, doch was nützt einem das, wenn das dringende Bedürfnis nach beruflicher Freiheit nicht erfüllt wird? Oder anders gefragt: Was bringt einem ein eigener PC in einem unbequemen Großraumbüro, wenn das Internet, mittlerweile sogar in den abgelegensten Bergtälern verfügbar ist? Ein fester Arbeitsplatz, mit strikter räumlicher Trennung? Nein, sowas gibt es im Web nicht.

Dafür aber vielerlei Konzepte, die sich mit der neuen Situation beschäftigen. Während Social-Media-Gigant Facebook, auf den Einsatz spielerischer Mittel (Spielekonsolen) setzt, besticht das Google Office durch einen Pausenraum im Obstplantagenstil, mit Orangenbäumen und Gartentischen. Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Unternehmen, offenbaren sich bei einem Blick auf die Grundbedürfnisse: In lichtdurchfluteteten Räumen, laden Couches und Designersessel zum Abschalten oder Arbeiten ein. Und in den permanent brodelnden Küchen, serviert man den Mitarbeitern Speisen aus aller Welt.

Umstellung für Arbeitgeber?

Fast könnte man durch die Fülle an Freizeitmöglichkeiten denken, das Google und Facebook ihre Mitarbeiter zum faulenzen einladen. Wie soll ein solches Arbeitsumfeld dazu beitragen, dass produktiv gearbeitet wird? Und warum die teils enormen Gehälter (ein Praktikant kann bei Facebook über 4000 Dollar pro Monat verdienen)? Die Antwort ist relativ einfach: Um einen Job im Silicon Valley zu ergattern, zählt nicht nur die Ausbildung, sondern schlicht der menschliche Aspekt. Während Google seine Mitarbeiter bereits seit Jahren, ohne große Analyse des Notendurchschnitts einstellt, verharren deutsche Unternehmen scheinbar in einer gebückten Abwehrhaltung. Wer jedoch einerseits nach den Besten ruft, sich andererseits aber als eingestaubtes Fossil präsentiert, der darf sich über abwanderungswillige Genies nicht wundern.